Ein Radiochassis für den Elektroschrott ?

©Norbert Meier 2020


Einleitung

In unserer Garage gab es eine Sammelkiste mit defekten Kleingeräten für den Elektroschrott.
Der Abholtermin für den Elektroschrott kam näher und ich schaute noch einmal in die Sammel-
kiste und zog ein Radioschassis heraus.


Kann man das Radioschassis noch reparieren?

Es folgt eine Liste der von mir festgestellten Mängel:

Nein, als ehemaliger Radiobastler kann ich das Chassis nicht einfach dem Schrott übergaben.
Eine Ersatzröhre, die Endstufenröhre EL84, gibt es in meinem Röhrenreservoir und einen 4 Ohm-
Lautsprecher habe ich auch noch. Also einen Versuch, ob das Radiochassis noch funktioniert,
werde ich durchführen.


Erster Funktionstest

Im Drehschalter auf der linken Seite ist der EIN/AUS-Schalter integriert. Einige Sekunden nach dem
Einschalten beginnen die Kathoden der Elektronenröhren dunkelrot zu leuchten. Dann hört man
ein leises Brummen im extern angeschlossenen Lautsprecher. Von den drei Tasten an der Front-
seite drücke ich die rechte Taste, in der Hoffnung, dass es die UKW-Taste ist. Erst nachdem ich ein
Drahtstück als Antenne in einer der UKW-Antennenbuchsen gesteckt und an der Achse des Dreh-
kondensators eine langsame Drehung durchgeführt hatte, hört man nacheinander einige UKW-Sender.

Bild 1


Minimale Verbesserungen am Chassis

Ein kleiner Drehknopf zum EIN/AUS-Schalten wird aufgesteckt. Dahinter erhält die Achse für die Laut-
stärkeeinstellung einen größeren Drehknopf.
Auf der Achse vom Drehkondensator wird eine Holzscheibe mit einem Durchmesser von 7 cm aufgesteckt.
Der jeweilige Sendername und seine Position am Drehkondensators werden darauf angeordnet:

Bild 2


Beim Säubern der Pertinaxplatte fällt mir auf, dass nur mit einer Silizium-Diode die Gleichrichtung der
Anodenspannung realisiert wird. Diese Einweggleichrichtung ersetze ich durch einen Brückengleich-
richter mit vier die Dioden, wie das folgende Bild zeigt:

Bild 3

Rechts neben dem Chassis sorgt eine ausziehbare Stabantenne für eine guten UKW-Empfang.


Erzeugung einer 220 V Wechselspannung

Der Netztrafo am Chassis ist für maximal 220 V~ ausgelegt. Wenn an das heutige Netz mit 230 V~
das Radio für 220 V~ angeschlossen wird, erhöhen sich die Anodenspannung und die Heizspannung.
Außerdem erwärmt sich der Netztrafo deutlich infolge des erhöhten Leerlaufstomes.

Ich habe daher ein kleines Vorschaltgerät für die Spannungsabsenkung mit folgender Schaltung
aufgebaut:

Bild 4

Bild 5


Das Radio mit technischem Look

Meine Frau ist nicht erfreut von meinem Radioaufbau auf meinem Schreibtisch mit einem großen
Ovallautsprecher. Ich aber erfreue mich über den erstaunlich guten Klang von Musiksendungen,
wenn ich hier in Weinheim z.B. den UKW-Sender von SWR4 am Drehkondensator eingestellt habe.

Bild 5


Von welcher Radiofirma stammt das Chassis ?

Ein Suchlauf bei Google im Internet mit der Option "Röhrenradios, Bilder" liefert die Antwort:
Das Chassis wurde von Firma Telefunken in den 1960ziger Jahren gebaut. Die Typen-Radiobezeichnung
lautet: Telefunken Jubilate 1651 ke.
Eine sehr informative Web-Seite über die Reparatur vom Röhrenradio Jubilate findet man im Internet.

Bild 6


Einzelheiten zur Schaltungstechnik im Endstufenteil

Auf der oben erwähnten Web-Seite wird der Originalschaltplan vom Radio "Telefunken Jubilate 1651 ke"
veröffentlicht. Mein Interesse widme ich der Schaltungstechnik im Endstufenbereich.

Bild 7

Um die Schaltung für den Leser ohne viel Radiokenntnisse zu erläutern, habe ich die Schaltung mit PowerPoint
umgezeichnet.

Bild 8

Ausgehend vom Netztrafo liefert der Brückengleichrichter die pulsierende Gleichspannung, die mit einem
Elektrolytkondensator von 64 µF geglättet wird. Der Ausgangsübertrager für den niederohmigen Lautsprecher
besitzt eine besondere Wicklung für eine Spannungsgegenkopplung, die zur Reduzierung der Restbrummspannung
dient. Ausgehend von der Sekundärwicklung für den Lautsprecher dient ein Netzwerk aus Widerständen und
Kondensatoren zur Klangkorrektur, die Einkopplung erfolgt am Widerstand mit 470 Ohm.



Zurück zur Homepage