Erlebte Radionostalgie mit Elektra

©Norbert Meier 2013


Das Röhrenradio Elektra von Nordmende spielt wieder

"Wo liegt denn Beromünster ?", fragte ich Ute. "Na, in der Schweiz", war die Antwort.
Ich hatte gerade in meiner kleinen Hobby-Bastelkammer mit der Reparatur eines defekten
Röhrenradios aus den Fünfziger Jahren begonnen und schaute auf die braune Glasplatte
mit den vielen Namen der Sendestationen: Ziemlich weit rechts im Mittelwellenbereich bei
ca. 530 kHz lese ich den Stationsnamen Beromünster.

Wenn ich das defekte Röhrenradio wieder "zum Laufen" bekomme, dann werde ich mal
versuchen, ob ich von Weinheim aus den Sender Beromünster empfangen kann.

Nun folgt die Liste der von mir festgestellten Mängel:

Das Radiochassis ist ausgebaut, jetzt wird geputzt.

Meine Hobby-Werkstatt mit defektem Röhren-Radio

Dank meiner Messgeräte und Werkzeuge, insbesonde mit Hilfe des Oszilloskops, konnte ich
den defekten Elektrolytkondensator für die Glättung der Anodenspannung lokalisieren und
sogar aus meinem Radioersatzteilbestand einen passenden Elko einbauen.

Das folgende Bild zeigt von der Chassisunterseite die vom Hersteller eingelöteten Bauteile
im Bereich des Endstufenteils. Von der Endstufenröhre EL84 sieht man im Bild (Mitte links)
den teilweise durch lokale Wärme geschwärzten Röhrensockel.

Radio-Chassis von unten betrachtet

Da ich noch keinen Schaltplan für dieses Nostalgieradio besitze, werfe ich erst einmal einen
Blick in mein altes Buch mit dem Titel "Funktechnik ohne Ballast", Jahrgang 1972. Der Autor,
Otto Limann, geht nur kurz auf wenige Röhrenschaltungen ein, die Halbleitertechnik mit den
Transistoren hatte sich in den Rundfunkgeräten bereits durchgesetzt. Die Röhrenschaltungen
für Radios sind in der Literatur ab 1970 reiner Ballast. Der elektrische Bauplan der damaligen
Röhrenradios, die von den Firmen Telefunken, Grundig, Siemens oder Nordmende hergestellt
wurden, waren alle ziemlich ähnlich, wenn die Radios die Röhrenbestückung ECC85, ECH81,
EF89, EABC80 und EL84 enthielten.
Den Schaltplan des Endstufenteils für das vorliegende Radio Elektra 56 von Nordmende
habe ich mit Hilfe des zitierten Buches mal aus meiner Sicht am PC mit MS-PowerPoint
gezeichnet. Mein Patenkind Frank hat mir dabei noch einige Tipps gegeben, mit welchem
Dateityp *.gif oder *.jpg diese Grafik für die Webseitendarstellung zu speichern ist.

Schaltplan von der Endstufe mit EL84

Man kann den 1. Siebkondensator C1 am Brückengleichrichter im Schaltplan sofort
erkennen. Nach dem Einlöten eines Ersatzkondensators erfolgt erneut der Funktionstest.
Achtung ! Beim Testen unter Spannung ist äußerste Vorsicht geboten !
Das Brummen ist beseitigt, viele Mittelwellen- und UKW-Sender sind problemlos
nach der Reparatur des Skalenantriebs mit diesem Radio zu empfangen.

Funktionstest

Im obigen Bild rechts ist der Ferritstab mit den Empfangsspulen für Mittelwelle und
Langwelle (L) zu erkennen. Links daneben befindet sich der UKW-Empfangsbaustein
mit der abgeschirmten ECC85. Daneben ist die Mischröhre ECH81, ein Bandfiltertopf,
die EF89, wieder ein Bandfiltertopf angeordnet und unter einem kaminartig abgewinkelten
Blech befinden sich die Röhren EABC80 und die Endröhre EL84, deren Heizung viel
Wärme erzeugt. Nun folgt der endgültige Zusammenbau.

Radio Elektra auf Hochglanz geputzt

Kaum zu glauben. Das schmucke Kultradio kann nun wieder präsentiert werden.

Ein Druck auf die M-Taste für Mittelwelle (MW), ca. 15 Sek. warten bis die Röhrenheizung
einen Elektronenfluss in den Radioröhren ermöglicht, dann den rechten Drehknopf nach
rechts drehen, bis der Zeiger für die Sendereinstellung auf dem kleinen Rechteck
für "Beromünster" positioniert ist. Links den Drehknopf für die Erhöhung Lautstärke nach
rechts drehen. Ja, da höre ich was! Aus dem Lautsprecher kommt leise Akkordeonmusik
und im Hintergrund höre ich eine Zitter spielen: Das muss der Sender Beromünster sein.
Zur vollen Stunde die Nachrichten aus der Schweiz und anschließend vom Radiosprecher
der Satz: Sie hören das Schweizer Radio DRS....

Ute, ruf doch bitte mal in den nächsten Tagen den René in Zürich an, was bedeutet DRS.

Herzliche Grüße auch an Ute's Verwandtschaft in der Schweiz
Euer Norbert

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