Erinnerungen an die 50er und 60er Jahre

© Norbert Meier und Ute Laager 2018


Veranlassung

Mit Begeisterung haben wir die dreiteiligen ZDF-Fernsehfilme "Ku´damm 56" und "Ku´damm 59"
gesehen, bei denen viele Erinnerungen an unsere Jugendzeit geweckt wurden.

Ute am Scheibtisch

Wir haben bei uns ein Büro-Szenario aufgebaut, das an die Epoche der 50er und 60er Jahre
erinnern soll.

Bild 1

Mit den folgenden Texten beschreiben wir, zum Teil mit Bildern, die einzelnen Gegenstände auf
dem Schreibtisch.

Die Reiseschreibmaschine Erika:

Die Reiseschreibmaschine Erika Nummer 5 wurde von der Aktiengesellschaft A.-G. vorm. Seidel
& Naumann in der Schreibmaschinenfabrik in Dresden etwa 1934 hergestellt. Schon 1910 bean-
tragte Seidel & Neumann den Schutz des Markennamens "Erika", den die einzige Enkeltochter des
Firmengründers trug, für Schreibmaschinen beim Kaiserlichen Patentamt.
Meine Mutter hatte 1935 diese Schreibmaschine gekauft und konnte als ehemalige Büroangestellte
auf dieser Schreibmaschine die Geschäftsbriefe, die Angebote und die technischen Berichte für
meinen Vater schreiben, der Inhaber der "Deutschen Apparategesellschaft" war.

Bild 2


Das Röhrenradio Type 3040M von Grundig:

Das mit einem Gehäuse aus Teakholz ausgestattete Radio aus dem Jahre 1964 ist von der
Firma Grundig. Der Ovallautsprecher befindet sich auf der linken Radioseite und strahlt
einen erstaunlich guten Klang bei Musiksendungen auf UKW ab.

Bild 3

Über die technischen Einzelheiten von diesem Röhrenradio berichte ich auf meiner Web-Seite
mit der Radio-Dokumentation .

Die Bürolampe:

Die Tischlampe, die auch Bankerlampe genannt wird, liefert ein blendfreies Licht beim Schreiben
auf der Schreibmaschine.

Der Bleistiftanspitzer mit Kurbel:

Das Besondere bei derartigen Bleistiftanspitzern mit Kurbel besteht darin,

Bild 4

dass der Bleistift zentrisch geführt wird und damit einwandfrei angespitzt wird, wie die folgende
Nahaufname zeigt:

Bild 5


Der Aschenbecher mit Drehteller:

Auch meine Eltern hatten damals in den 50er Jahren einen solchen Aschenbecher.

Bild 6

Da mein Vater, mein Onkel Georg, Tante Käte und Tante Inge Kettenraucher waren, z.B. auf einem
Geburtstags-Kaffeetrinken bei meinen Eltern, konnte man sich nur wundern, wenn der Aschenbecher
bald voll war und der Drehteller beim Herunterdücken keine Rotation zeigte. Oft mußte ich damals
noch als Schüler den Aschenbecher in der Küche über dem geöffneten Mülleimer leeren. Am nächsten
Tag hatte dann meine Mutter noch den verchromten Drehteller vom Aschenbecher mit Brennspiritus
gereinigt.

Das Tischfeuerzeug:

Das etwas klobig aussehende Tischfeuerzeug CRONEX 3000 war nicht für die Damenhandtasche gedacht,
sondern konnte mehrere Tage mit der großen Benzinfüllung Verwendung auf dem Schreibtisch finden.

Bild 7

Die Zigarettenschachtel:

Zahlreiche Zigarettenfabriken produzierten Filterzigaretten in rechteckigen flachen Schachteln.
Im Bild mit Ute sieht man die Marke Peter Stuyvesant.

Bild 7a

Andere Marken waren Muratti Gentry, Reemtsma Gelbe Sorte, Reemtsma ERNTE 23, Lord EXTRA,
Batschari MERCEDES reine Sorte und Mokri.

Der Typenreiniger und Tipp-Ex:

Mit der gummiartigen Knetmasse aus Naturkautschuk bestand die Möglichkeit, die Typenhebel der
Schreibmaschine von Druckerschwärze und Stoffresten vom Farbband zu reinigen. Nach dem Gebrauch
sieht man deutlich, wie die Druckerschwärze aus den Typen an der Knetmasse hängen bleibt.

Bild 8

Die Tipp-Ex-Blättchen mit dem weißen Farbpulver auf der Rückseite konnten einen falsch
geschriebenen Buchstaben auf der Schreibmaschinenseite löschen.

Bild 9

Man betätigte dazu die Taste "Rücktransport", schob das Tipp-Ex-Blättchen über den zu löschenden
Buchstaben und schlug dann den falschen Buchstaben auf der Tastatur noch einmal an. Das weiße
Farbpulver hat den Buchstaben unsichtbar gemacht.

Der Stenoblock mit Bleistift und Radiergummi:

Stenografie ist eine aus einfachen Zeichen gebildete Schrift, die schneller als die herkömmliche
"Langschrift" geschrieben werden kann und es ermöglicht, in normalem Tempo gesprochene
Sprache mitzuschreiben.
Während ihrer kaufmännischen Ausbildung besuchte Ute in den Abendstunden das Institut für
Welthandelssprachen und rationelle Büroarbeit in Mannheim. Das Prüfungszeugnis im Lehrgang
"Stenografie und Eilschrifteinführung" sah von der 15-jährigen Ute wie folgt aus:

Bild 10

Am Ende eines weiteren Lehrgangs "Stenografie für Fortgeschrittene" erhielt Ute die Gesamtnote "gut".


Schriftproben in Schreibschrift, Steno und Schreibmaschinenschrift:

Die Anrede in Geschäftsbriefen lautet in Schreibschrift:

Bild 11

In Stenografie für Anfänger sieht diese Anrede wie folgt aus:

Bild 12

Erfahrene Sekretärinnen schreiben den Text dann als Kürzel in Steno:

Bild 13

Die Schriftprobe nun mit der Schreibmaschine Erika:

Bild 14


Schreibmaschinen aus den 60er und 70er Jahren

Auf einer mechanischen Schreibmaschine, wie z.B. die von der Firma Adler aus den 60er Jahren,
hat Ute während ihrer Berufstätigkeit in einer Firma für Telefonanlagen viel geschrieben.

Bild 15

Jahre vorher hatte Ute wieder in den Abendstunden die Mannheimer Sekretärinnenakademie
besucht und dort den Lehrgang in "Maschinenschreiben für Fortgeschrittene" belegt. Ihre
Fertigkeiten "10 Minuten à 180 Anschläge" wurden mit "gut" benotet.

Eine wesentliche Verbesserung bei den Schreibmaschinen war dann in den 70er Jahren die
Einführung der elektrischen Schreibmaschinen:

Bild 16

Mit einem leichten Andruck der Typentasten wurde mit Hilfe eines elektrischen Kontaktes unter
jeder Taste der Typenhebel mit einem Magneten angezogen und schlug mit gleichbleibenden
Andruck auf die Papierwalze. Das Schriftbild von diesen elektrischen Schreibmaschinen zeigte
eine sehr gleichmäßige Farbgebung. Wenige Jahre später wurde von IBM die Kugelkopfschreib-
maschine herausgebracht. Die Schrift sah wie gedruckt aus.

Bild 17


Der Siegeszug der IBM-Kugelkopfschreibmaschine in den Sekretariaten der Industrie war unge-
brochen. Eine Freundin von Ute berichtete uns kürzlich, dass sie in den 70er Jahren bei einem
Einstellungstermin auf der im folgenden Bild dargestellten Kugelkopfschreibmaschine

Bild 18

eine Schreibprobe zeigen sollte. Da sie noch nie auf einer IBM Kugelkopfschreibmaschine Executive
geschrieben hatte, schlugen am Anfang der Schriftprobe viele Buchstaben doppelt an. Wie peinlich !
Dann aber, ab der dritten Zeile, konnte sie mit kurzen und gleichmäßigen Tastendruck auf der IBM-
Maschine schnell und fehlerfrei weiterschreiben.


Telefone aus den 50er, 60er und 70er Jahren

Das schwarze Wählscheibentelefon von der Firma Telefonbau und Normalzeit (T&N) mit schwarzer Erdtaste
auf der rechten Seite wurde in den 50er Jahren gebaut.

Bild 19

Auf der Wählscheibe ist das Logo von T&N zu sehen, das 1935 eingeführt wurde. Dieses Logo war in den 50er
Jahren auch auf den großen Normalzeituhren auf den Bahnhöfen zu sehen.

Bild 20

Ute hat in der Zeit von 1956 bis 1959 bei Telefonbau und Normalzeit in Mannheim eine Lehre als
Industriekaufmann absolviert. Der Briefkopf von ihrem Zeugnis zeigt ebenfalls das T&N-Logo:

Bild 21

Auch Ute's Schwager Reinhard hat seine Berufslaufbahn mit einer Lehre bei T&N in Bielefeld begonnen.
Nach einigen Praxisjahren im Großanlagenbau für Nebenstellenanlagen-Technik und seinem anschließenden
Studium an der Fachhochschule in Bielefeld, übernahm er die Montageleitung bei T&N in den technischen
Büros Konstanz und Singen.


Die Baugruppen auf der Grundplatte zeigt das folgende Bild:

Bild 22


Das schwarze Wählscheibentelefon W 48 wurde bis Ende der 60er in großer Stückzahl verkauft.

Bild 23

Der Schaltplan vom W 48 sieht wie folgt aus:

Bild 24

Bevor ich anhand des Schaltplanes die Funktionsweise vom W 48 beschreibe, sollte man einen
Blick auf die Innenseite der Wählscheibe werfen: Dort befindet sich der Nummernschalter.

Bild 25

Die Kurzbezeichnungen der Schaltkontake sind Abkürzungen für:

nsi = Nummer-Schalter-Impuls-Kontakt
nsa = Nummer-Schalter-Arbeits-Kontakt
nsr = Nummer-Schalter-Ruhe-Kontakt

Eine sehr ausführliche Beschreibung des Nummernschalters findet man im Internet bei Wikipedia.

Nun Einzelheiten zum Schaltplan:

Kurzbeschreibung ankommender Klingelton:
Zwischen den beiden Amtsleitungen La und Lb liegt eine Gleichspannung von 60 Volt. Mit einer überlagerten
Wechselspannung von ebenfalls 60 V~ kann der Klingelstrom über den Kondensator C und den beiden Spulen vom
Leutewerk fließen. Der Klöppel vom Leutewert schlägt an die beiden Glocken.
Der Hörer ist noch aufgelegt und der offene Gabelkontakt hat den Sprechkreis abgeschaltet.

Kurzbeschreibung, wenn der Hörer abgenommen wird:
Beim Abheben des Hörers schließt der Gabelumschaltkontakt GU1. Der Sprechkreis ist nun eingeschgaltet.
Die Sprache wird im Kohlemikrofon in Stromscheingungen umgewandelt. Die Sprache des Anrufers kann im
Membranhöhrer abgehört werden.

Kurzbeschreibung bei abgenommenen Hörer wird eine Nummer gewählt:
Der nsa wird beim Aufziehen des Nummernschalters durch die Nockenscheibe geschlossen und bleibt das
auch bis zum Ende des Ablaufs. Er überbrückt den Sprechkreis. Außerdem wird der nsr geöffnet.
Der nsi-Kontakt und der nsa-Kontakt liegen in Reihe. Beim Ablauf der Wählscheibe wird nun der nsi-Kontakt
von den Segmenten des Stoßstromrades rhythmisch unterbrochen, entsprechend der gewünschten Nummer.
Der nsi-Kontakt liefert jedoch immer zwei zusätzliche Kontakt-Impulse mehr als die gewünschte Nummer. Der
nsr-Kontakt überbrückt dann am Ende des Ablaufs die beiden Leerlaufimpulse.


Das grüne Tastentelefon wurde ab Mitte der 70er Jahre angeboten.

Bild 26


Das schwarzweiß Foto

Mit einem Bildbearbeitungsprogramm kann das farbige Bild von der Digitalkamera in ein schwarz-
weißes Foto umgewandelt werden.

Bild 27


Das Foto in Sepia

Bei alten Abzügen wird der Schwarz-weiß-Anteil durch UV-Strahlung bräunlich und das Weiß
auf dem Papier mit der Zeit gelblich-cremig. Die meisten Abzüge, die 60 Jahre und älter
sind, zeigen diesen Sepia-Charakter.
Heutzutage ist bei Digital-Kameras normalerweise ein entsprechender Modus vorhanden. Viele
Bildbearbeitungsprogramm ermöglichen ebenfalls, diesen Sepia-Effekt im Nachhinein anzuwenden.

Bild 28


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